18.10.09 | 20:01 Uhr | Auf dem Weg

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18.10.09 | 19:10 Uhr | Auf dem Weg

推 推

Im ICE nach Peking Buenos Aires Berlin. Überraschung: Der Zug ist voll. Ich bin nicht der einzige Messebesucher, der in diese Richtung nach Hause fährt.

18.10.09 | 17:20 Uhr | In der Pause

Abschied von der Masse

“Sie werden wieder einzeln
Sie lieben wieder einzeln
Und fliegen zum
nächsten Traum”

Yan Jun, Jahrgang 1973, in: “Schmetterlinge auf der Windschutzscheibe”

18.10.09 | 16:38 Uhr | Unter Menschen

Mit leisem Bös

Den Adelbert-von-Chamisso-Preis haben wir schon erwähnt: ein Preis für Autoren, die auf Deutsch schreiben, obwohl Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Mittlerweile wird dieser Preis seit 25 Jahren verliehen. Also feiert er sich jetzt ein bisschen selbst.

Unter anderem ist bei dtv eine Anthologie mit dem Titel “Lichterfeste, Schattenspiele” erschienen, zu der sämtliche Preisträger und Preisträgerinnen eine Geschichte beigesteuert haben. Eigentlich sollten heute zwei von ihnen auf der Buchmesse lesen, JĂłse F. A. Olivier und Zehra Çırak. Doch Olivier blieb auf dem Weg durch den Schwarzwald im Stau stecken. So musste Zehra Çırak die Dreiviertelstunde am Stand von ARTE alleine bestreiten. Kein Problem: Zeit fĂĽr eine ausfĂĽhrliche Lesung, aber auch zu einem Gespräch ĂĽber ihren Weg zur deutschen Sprache und zur deutschsprachigen Literatur.

Zehra Çırak wurde 1960 in Istanbul geboren und kam im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland. FrĂĽher hätte man ihren Vater einen “Gastarbeiter” und sie ein “Gastarbeiterkind” genannt. Heute gehen einem diese Begriffe nicht mehr ganz so leicht ĂĽber die Lippen, weil man aus der Distanz doch deutlich erkennen kann, dass die Menschen, die vom deutschen Staat als Arbeitskräfte angeworben wurden, nicht als Gäste, sondern als Fremde behandelt wurden, die man nach getaner Arbeit am liebsten sofort wieder nach Hause geschickt hätte.

Zehra Çırak zog mit ihren Eltern nach Karlsruhe. Sie kam damals gleich in einen Kindergarten und sprach Deutsch bald genauso gut wie Türkisch. Ihre Eltern unterhielten sich allerdings weiterhin lieber in ihrer Heimatsprache, und als Zehra Çırak als Schülerin anfing, ein Tagebuch zu schreiben, schrieb sie es auf Deutsch – damit Mama und Papa nicht lesen konnten, welche Gedanken ihr so durch den Kopf gingen. (Es ging wohl viel um Liebe und so.) Sie ist dann beim Deutschen geblieben und hat mittlerweile ein stattliche Zahl von Gedichtbänden veröffentlicht. Und Mama und Papa können mittlerweile natürlich ebenfalls so gut Deutsch, dass sie darin lesen können.

Zehra Çırak schreibt sehr klare, mit starken Bildern, und sie schreibt – das ist nun wirklich sehr deutsch, da kann man sagen, was man will und sich politisch noch so korrekt geben – einem leichten lutherischen, in jedem Fall altertĂĽmlichen Anklang. “Ein herrlich Geräusch” machen die “flatternden Seiten” in einem Gedicht, das sie offenbar extra fĂĽr Lesungen bei Buchmessen geschrieben hat, und eine der Figuren in der Kurzgeschichte, die sie zu der Chamisso-Anthologie beigesteuert, erzählt von einer in die Jahre gekommenen Sängerin, einer älteren Damen “ohne Arg, aber mit leisem Bös”.

Das “leise Bös” besteht darin, dass die Sängerin ihren jĂĽngeren Liebhabern im Schlafzimmer gerne zärtlich den Hintern versohlt. Kein schlechter Einfall fĂĽr einen Beitrag in einer Sammlung, die zum Jubiläum des Chamisso-Preises erscheint: ”Wer recht uns peitscht, den lernen wir verehren”, schrieb Adelbert von Chamisso in seinem Gedicht “Sage von Alexandern”.

18.10.09 | 13:59 Uhr | In der Pause

Informationsbewältigung

Es gibt verschiedene Methoden, der Informationsflut auf der Messe Herr zu werden. Hier im Pressezentrum filmt gerade ein arabischer Journalist mit seiner Handy-Kamera die Wand mit den ausgehängten Pressefotos ab, ganz systematisch, ein Bild nach dem anderen.

18.10.09 | 13:52 Uhr | Unter Menschen

Konjunkturen

Soll niemand sagen, er wisse nichts ĂĽber die chinesische Gegenwartslyrik. Das Hörbuch “Schmetterlinge auf der Windschutzscheibe” (wir berichteten) wurde gleich an drei verschiedenen Tagen auf der Messe vorgestellt, zum letzten Mal vor ein paar Minuten.

Insgesamt sollen in diesem Jahr rund neunzig literarische Neuerscheinungen mit chinesischer Literatur vorgestellt worden sein, Romane, Kurzgeschichten und Gedichtbände. Wie lange hält die Aufmerksamkeit? Lucien Leitess, der Gründer und Leiter des Schweizer Unionsverlags, muss es wissen. Sein Verlag ist auf Literatur aus Afrika, Südamerika und Asien spezialisiert, und er hat schon viele Themenschwerpunkte auf der Frankfurter Buchmesse begleitet.

“Direkt nach der Messe lässt das Interesse jedes Mal deutlich nach”, erklärte er gestern während der Diskussionsrunde zum “Gastland TĂĽrkei”, beruhigte aber die anwesenden Buchhändler und Verleger. Auf lange Sicht werde es dann deutlich einfacher, die Literatur eines Landes wie China zu verkaufen, einfach, weil man den Lesern und Leserinnen im deutschsprachigen Raum nichts mehr erklären mĂĽsse. Ein Gastland werde ein fĂĽr alle Mal in der literarischen Landkarte eingetragen.

Na, bitte. Trotzdem ein kleines Ratespiel: Können Sie sich an die letzten fünf Gastländer auf der Frankfurter Buchmesse erinnern?

Die Antwort gibt es hier. (Nicht schummeln.)

18.10.09 | 13:51 Uhr | Auf dem Weg

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18.10.09 | 13:33 Uhr | In der Pause

Du hast das Meer gesehen

“Du hast das Meer gesehen
Du hast es dir vorgestellt
Du hast dir das Meer vorgestellt
und dann hast du’s gesehen
und hast es dir vorgestellt
aber du bist
kein Seemann
So ist das eben
Du hast dir das Meer vorgestellt
Du hast es gesehen
Und vielleicht magst du es sogar
Wenn’s hochkommt, ist das so
Du hast da Meer gesehen
und du hast es dir vorgestellt
Aber du bist nicht bereit
darin zu ertrinken
So ist das eben
So ist’s mit jedem”

Han Dong, Jahrgang 1961, in: “Schmetterlinge auf der Windschutzscheibe”

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