13.10.09 | 22:26 Uhr | Unter Menschen

Maschine läuft

Darüber ist ja schon viel geschrieben worden: Bei einem Symposium im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse war es zu einem Eklat gekommen, weil zwei chinesische Regimekritiker auf Druck Chinas ausgeladen wurden. Schließlich durften sie doch noch teilnehmen, allerdings nicht auf dem Podium sitzen. Die Veranstalter der Buchmesse wurden in den Medien darum heftig kritisiert.

Morgen wird das Ganze vermutlich noch einmal in den Zeitungen stehen. Denn: Gottfried Honnefelder, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandel, hat heute nachmittag bei der Eröffnungsfeier eine Entschuldigung von den Veranstaltern der Buchmesse eingefordert. Mal gucken, was daraus wird. Die Debattenmaschine kann auf jeden Fall noch ein bisschen weiter laufen.

Ansonsten verlief die Zeremonie fast entspannt. Zum Thema “schwieriges Gastland” scheint mittlerweile alles gesagt zu sein. So konnte Angela Merkel sich auf die Feststellung beschränken, dass “es keine Tabus in der Diskussion geben” dürfe, während Xi Jinping, der stellvertretende Staatspräsident Chinas, mit Blick auf die Menschenrechtsdiskussion darauf hinwies, dass sein Land ganz gut allein entscheiden könne, welche “Elemente fremder Zivilisationen” es sich aneignen möchte – und auf welche lieber nicht.

Am schönsten war eigentlich die Rede des Schriftstellers Mo Yan, dessen Roman “Die Sandelholzstrafe” gerade erst auf Deutsch erschienen ist. Er zitierte zwei chinesische Redensarten. Zum einen habe man in seinem Heimatland früher über die Deutschen gesagt, dass sie eine “gespaltene Zunge” hätten. Grund dafür waren die Schwierigkeiten, die Deutsche beim Erlernen der chinesischen Sprache hatten. Zum anderen, sagte er, habe es geheißen, Deutsche hätten “keine Knie”: Wenn man sie zu Boden werfe, stünden sie nie wieder auf.

Mo Yan war so taktvoll, den Hintergrund für diese zweite Redensart, die vermutlich auf die kriegerischen Auseinandersetzungen während des “Boxeraufstands” zurückgeht, nicht weiter auszuführen. Statt dessen erzählte er von seinem Großvater, der in einem Dorf in der Provinz Shandong im Osten Chinas lebt. Vor einigen Jahren habe eine Gruppe deutscher Studenten den Ort besucht, und sein Großvater sei recht erstaunt gewesen, dass die jungen Menschen ganz normale Zungen und Knie hatten.

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