15.10.09 | 12:18 Uhr | In der Pause

Türpolitik

Auch die Messe gibt es mehrmals. Ich verbringe die meiste Zeit auf der Buch-Messe, dem Teil der Messe, auf dem es tatsächlich um Literatur geht, um Schriftsteller und Übersetzer und ihre Werke. Aber das ist natürlich nur ein Paralleluniversum von vielen. Neben dem Pressezentrum, im Literary Agents & Scouts Centre zum Beispiel findet die Geld-Messe statt. Ein Journalist kommt da gar nicht erst rein. Hier verhandeln Agenten und Verleger über Vorschüsse und Lizenzen, eigentlich strictly confidential. Wenn die Summen richtig groß sind, dringt manchmal trotzdem ein Gerücht nach draußen, sorgfältig lanciert von der Marketing-Abteilung des Verlages, um die Redakteure, Kritiker und Kolumnisten schon einmal ein bisschen anzufüttern. Die erzählen sich dann auf den Empfängen in den Villen der Frankfurter Verlage und angemieteten Galerien davon: Das ist die Weißwein-Messe, die am frühen Abend beginnt und bis in die Morgenstunden dauert, eine sechs Tage dauernde Party, auf der der Literaturbetrieb sich selbst feiert. Auch hier darf nicht jeder rein, außer am Donnerstag beim Fischer Verlag, wie mir ein erfahrener Kollege von einer größeren Tageszeitung gestern erklärte. Der Verlag, sagt er, würde einfach zu großzügig mit den Einladungen umgehen. Ich sagte ihm lieber nicht, dass die Einladung von Fischer die einzige ist, die ich überhaupt bekommen habe.

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