16.10.09 | 15:40 Uhr | In der Pause

Die seltsame Liebe der Übersetzer zu Katzen

Ulrich Kautz erzählte natürlich auch von ganz praktischen Schwierigkeiten beim Übersetzen. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen, dem in Mainz lehrenden Germanisten Zhang Zhenhuan (sprich: “Dschang Dscheng-hu-an”), schilderte er die Tücken der chinesischen Sprache. Es gibt keine Deklinationen, keine Konjugationen, kaum Pronomen und kaum Konjugationen. Der Kontext ist alles.

So kann die wörtliche Übersetzung eines einfachen chinesischen Satzes zum Beispiel lauten: “Du gehen ich nicht gehen.” Aber was ist gemeint? “Du gehst, aber ich werde noch bleiben”? Oder: “Du bist gegangen, und ich bleibe noch”? (Klingt so, als seien Missverständnisse im Alltag vorprogrammiert.)

Eine anderes Problem, das sich natürlich nicht nur Chinesisch-Übersetzern stellt, sind die Redewendungen. In China sagt man zum Beispiel “In deinem Kopf fehlt eine Saite!”, wenn wir in Deutschland sagen würden: “Du hast wohl nicht alle Tassen im Schrank!” Ulrich Kautz hat sich in diesem Fall für die deutsche Redewendung entschieden. In einem anderen Fall hat er sich an die chinesische Formulierung gehalten: “Auch eine blinde Katze kann eine tote Maus fangen.”

Klingt irgendwie ein bisschen trauriger als unser Sprichwort vom blinden Huhn und dem Korn, oder?

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