17.10.09 | 16:20 Uhr | Auf dem Weg

Fragen Sie den Vampir!

Ich hätte die Halle 3 nie verlassen dürfen. Artur Becker, der diesjährige Adelbert-von-Chamisso-Preisträger liest gerade, aber der Weg zurück vom Pressezentrum zum ARTE-Stand im Westfoyer ist vollkommen verstopft.

Ich gebe auf und lasse mir statt dessen von einem 15-jährigen Schüler mit Plastik-Gebiss, schwarz gefärbten Haaren und flatterndem Umhang erklären, warum heute so viele sonderbar gekleidete Teenager auf der Buchmesse sind. Ganz einfach. (Will sagen: “Dumme Frage.”) Es handelt sich um ein Phänomen, das man “Cosplay” nennt, nach den englischen Wörtern “costume” und “play”. Junge Menschen ziehen sich wie ihre Lieblingsfiguren aus Comics, Videospielen und Zeichentrickfilmen an und führen ihre Verkleidungen dann an ausgewählten Orten der Öffentlichkeit vor: als Werwölfe, Super-Marios und seltsame Pelztiere mit großen Füßen. Auf die Buchmesse kommen sie, um in der Halle mit den Comic-Verlagen einen Blick in die neuesten japanischen Mangas zu werfen.

Morgen sollen es noch werden, da ist der Eintritt für kostümierte Besucher nämlich frei. Das ist nicht ganz uneigennützig. Die Verlagsbranche weiß, was sie an den adoleszenten Fabeltieren hat. “crossmedia content” ist das aktuelle Schlagwort in der Branche, der Versuch also, die Grenzen zwischen Druckerzeugnissen (wie Comics) und elektronischen Medien (wie Videospielen) zu überwinden und damit ein anständiges Geschäft zu machen. Auch hier sind Vampire am Werk, aber sie tragen natürlich Anzüge und Krawatten und keine selbstgenähten Umhänge.

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