11.04.09 | 23:59 Uhr | Vor Ort

Balázs Szász im Gespräch mit Kristóf Wéber (1. Teil)

B.S.: Herr Wéber wie stieβen Sie zu diesem Projekt?

K.W.: Ich gehe regelmäβig ins Café “Blöff”, sozusagen mein Stammlokal, in welchem ich Christian Gracza getroffen habe, der mir den Künstler Marek Brandt vorgestellt hat. Beide haben mir das Projekt ausführlich erläutert und anschlieβend gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, an einem derartigen Experiment teilzunehmen. Obwohl ich gleich zu Beginn begeistert war, erbat ich mir dennoch eine gewisse Bedenkzeit, um nachzudenken, auf welche Art und Weise ich an einer derartigen Unternehmung teilnehmen könnte.

B.S.: Sie haben ein minimalistisches Stück für die Kompositionsreise geschrieben. Was hat Sie dazu bewegt, solch ein Stück zu schreiben?

K.W.: Die Arbeitsweise der “Endlichen Automaten” bildete die Grundlage meines eigenen Herangehens. Sie sind kein traditionelles Orchester, aber definitiv Musiker, die gemeinsam komponierte Werke vortragen. Die Schwierigkeit bestand darin, jeden einzelnen Musiker dazu zu bewegen oder besser in die Lage zu versetzen, seine eigene Kreativität zum Ausdruck zu bringen. Ich wollte, dass jeder von ihnen eigene Geräusche, wie zum Beispiel Knarrgeräusche einarbeiten kann und dennoch alle gemeinsam das gleiche Ausgangsmotiv besitzen. Dadurch können sie als Gruppe oder besser als Orchester funktionieren, aber nochmals mit der Freiheit für Alleingänge während des Konzerts.

B.S.: Was halten Sie grundsätzlich von dem Konzept der Kompositionsreise, dass ihr Stück zwar hier einstudiert, aber erst an der nächsten Station in Osijek uraufgeführt wird?

K.W.: Eine Komposition muss nicht unbedingt am Heimatort des Erschaffers uraufgeführt werden. Allein schon dem Grundsatz folgend, dass der Prophet im eigenen Land nichts oder zumindest nicht sonderlich viel gilt. Europa entwickelt sich kulturell, gesellschaftlich und wirtschaftlich immer mehr zu einer grenzenlosen Union. Dennoch sind die geographischen und ideellen Grenzen immer noch vorhanden. Ich bin der Überzeugung, dass Künstler auch die Aufgabe besitzen, sich mit dieser Problematik zu beschäftigen. Mit Hilfe der Kultur jene Grenzen abzubauen, die eventuell allein mit dem kulturellen Austausch abzubauen sind, um dadurch langfristig als Ergebnis, wenn Sie so wollen, die sogenannte Europäische Integration zu erreichen, wie die, bereits sich auf einem guten Weg befindliche, wirtschaftliche Union Europas.

B.S.: Kennen Sie die übrigen Komponisten der Kompositionsreise?

K. W.: Nein, ich kenne sie noch nicht. Doch ich denke, dass es auch darum geht, sie oder ihre Werke kennen zu lernen.

B.S.: Sie haben den Wunsch geäussert, am Konzert in Osijek teilzunehmen. Was sind Ihre Erwartungen?

K.W:: Ich habe keine besonderen Erwartungen an die Mitglieder des Orchesters oder die Robert Bosch Kulturmanager. Beide Teams haben mein volles Vertrauen. Erwartungen habe ich eher an mich selbst, wie vor jeder Uraufführung meiner Werke. Ich war bisher selten mit meiner Arbeit zufrieden.

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