12.04.09 | 22:33 Uhr | Vor Ort

Balázs Szász im Gespräch mit Kristóf Wéber (2. Teil)

B.S.: Würden Sie es begrüßen, wenn im Rahmen des Veranstaltungsjahres „Kulturhauptstadt Europas 2010” in Pécs die Ergebnisse der Kompositionsreise aufgeführt werden?

W.K.: Sofern dieses Konzert Teil eines Festivals wäre, das internationale zeitgenössische Musik präsentiert, würde ich ein derartiges Vorhaben selbstverständlich befürworten. In Pécs 2010 zahlreiche klassische Konzerte die in- und ausländischen Besucher erwarten. Ein zeitgenössisches Musikfestival könnte die musikalische Gegenwart widerspiegeln. Ich befürchte jedoch, dass die Bürger dieser Stadt den Mehrwert dieses zeitgenössischen Moments nicht erkennen werden. werden

C.G. Welches Rahmenprogramm schwebt Ihnen vor bzw. mit welchen Inhalten würden Sie ein internationales zeitgenössisches Musikfestival in Pécs versehen?

W.K. Ich würde auf jedem Fall das musikalische Programm des Laptoporchesters “Endliche Automaten” als Ausgangspunkt nehmen. Es wäre wichtig die Evolution des Komponierens vorzustellen und Underground-Produktionen zu präsentieren. Allen voran muss man jedoch der Öffentlichkeit aufzeigen, dass Kompositionen mehr Sinne berühren als lediglich das Gehör. Interessant wäre zudem die zeitgenössischen musikalischen Tendenzen mit jenen der Medienkunst zu verbinden.

B.S.: Welche Erfahrungen haben Sie in der Auseinandersetzung mit den “Endlichen Automaten” bisher sammeln können?

K.W: In erster Linie professionelle Erfahrungen. Ich musste eine Kompositionsmethode ausprobieren, die ich in meiner bisherigen Laufbahn noch nicht angewandt habe. Ich hatte mich mit dem typisch ungarischen Grundsatz auseinanderzusetzen, der da heiβt: „Verlasse nie für einen neuen, einen bewährten Weg.” Etwas rückständig, meinen Sie nicht auch? Mir persönlich gefällt eher die Geisteshaltung des Christoph Kolumbus, dessen eigentliche Leistung, meiner Meinung nach, nicht die Entdeckung Amerikas war, sondern vielmehr, dass er trotz der Tatsache, dass die Hälfte seines Schiffproviants aufgebraucht war, nicht zurückgekehrt ist. Ich würde mir wünschen, dass alle politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger diesen Mut aufbringen würden, um die eigene Gesellschaft weiterzubringen.

B.S.: Schöpften Sie bei Ihrer Komposition eher aus regionalen oder vielmehr aus internationalen Quellen?

K.W.: Nein, „Reihenweise” hat keinen musikalischen Bezug zu dieser Region. International? Das ist ein häufig verwendeter Begriff. Bei meinem Werk handelt es sich um ein offenes und annehmbares System, dass ich mit minimalistischen Mitteln geschaffen habe.

B.S.: Waren Sie schon einmal in der Situation, dass Sie einem Orchester Ihre Komposition erklären bzw. das Stück mit einem Orchester einstudieren mussten?

K. W.: Ja, natürlich. Ich verfahre in diesen Fällen nach den Grundsätzen des Komponisten László Sáry, welcher eine Methode entwickelt hat, wie man Stücke mit Menschen einstudieren kann, die keine musikalische Ausbildung besitzen. Hier liegt der Fall aber anders. Die “Endlichen Automaten” sollen nicht das spielen, was ich Ihnen vorschreibe, sondern ihrer eigenen Kreativität vertrauen. Sie schaffen das schon, davon bin ich überzeugt.

B.S.: Denken Sie, dass neben dem Konzert, die öffentliche Probe ein angemessenes Vermittlungsmedium ist?

K.W.: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, da ich es noch nicht ausprobiert habe. Ich lasse mich jedoch auch auf dieses Experiment gerne ein, zumal die Öffentlichkeit auf diese Weise Zugang zu jenem Teil des Projekts erhält, welcher ihnen ansonsten verwehrt bleiben würde. Sie erhalten Einblick in das Herzstück der Kompositionsreise und können die Menschen hinter den Laptops kennenlernen. Ein Konzert kann das in der Regel nicht leisten. Ich bin aufjeden Fall gespannt auf ihre Reaktionen, auch in Bezug auf das Konzert. Gespannt darauf, wie die Besucher auf den Mix der unterschiedlichen Stilrichtungen reagieren. Dies gilt innerhalb der ernsten Musik immer noch als Todsünde.

Aus diesem Grund möchte ich Weltmusik erschaffen, nein, nicht World Music, sondern Weltmusik in ihrer ursprünglichen Bedeutung, die Komponisten, wie Liszt, Wagner oder Beethoven und andere erschaffen haben.

B.Z.: Herr Wéber, ich danke Ihnen für dieses Gspräch.

Fotos: Kristián Pamuki

 

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