13.04.09 | 22:12 Uhr | Laptoporchester

Fabian Plank im Gespräch mit Marek Brandt

F.P.: Das Konzert in Ůsti nad Labem hat einen überaus positiven Nachhall in der Presse gehabt. Das Publikum war begeistert. War dies für Sie abzusehen?

M.B. : Ich war angenehm überrascht in Ůsti nad Labem auf ein überwiegend interessiertes Publikum zu stoβen, zumal wir ausschließlich Stücke aus unserem Repertoire spielten. Aber bereits Tage vor dem Konzert konnte man die Spannung unter jenen spüren mit denen wir entweder zusammenarbeiten sollten bzw. die wir kennengelernt haben. Wir hatten die Möglichkeit uns professionell auf das Konzert vorzubereiten, d.h. eine gute audiovisuelle Gesamtkonzeption vor Ort zu erstellen. An dieser Stelle ein Dank an die vielen freundlichen Helfer.

F.P.: Sie haben im Vorfeld mit Petr Maréš (Professor Neutrino) seine Komposition einstudiert. Was waren Ihre Erfahrungen und was erwartet das Pécser Publikum?
M.B. : Die Proben fanden im Studio des Nordböhmischen Rundfunks statt, in dem eine gute Arbeitsatmosphäre herrschte. Petr Maréš stiess am zweiten Tag zu uns. Wir mussten uns natürlich erstmal musikalisch annähern. Es galt die Komposition unserer prozesshaften Arbeitsweise anzupassen. Schließlich überarbeiteten wir mit ihm gemeinsam seine Kompositionsvorlage. Er räumte uns auch relativ viele Freiheiten bezüglich des Sounds und der Umsetzung ein. Das Pécser Publikum erwartet eine Komposition aus klassischen Bestandteilen und Popelementen.

F.P.: Sie kennen bereits die Kompositionsvorlage von Kristóf Wéber. Können Sie Unterschiede zwischen der Arbeit eines tschechischen und eines ungarischen Komponisten feststellen?
M.B.: Ja, Kristóf Wébers Vorlage ist abstrakter und orientiert sich eher an Komponisten aus dem Bereich der zeitgenössischen ernsten minimalistischen Musik, zum Beispiel eines John Cage. In Ungarn werden wir mit der Aufgabe konfrontiert sein, die strenge zeitliche Vorlage der Komposition von Kristóf Weber auf das Orchester anzupassen.

F.P.: Ein ”Endlicher Automat” ist eine so genannte Zustandsmaschine. Werden Sie im Rahmen der Kompositionsreise ebenso Zustandsübergänge wahrnehmen und verarbeiten?
M.B.: Ja, das müssen wir sogar. Wir bilden mit dem Komponisten ein sogenanntes „Probenteam”. Jeder muss sich auf den anderen einlassen, um etwas gemeinsames zu entwickeln. Dennoch gilt es zugleich, ähnlich wie eine Maschine, präzise und zeitlich bestimmt zu reagieren. Letztlich, vermute ich, wird sich aber unser endlicher Automat anpassen müssen, da die regionalen Besonderheiten (der Grund unserer Reise) dominieren werden.

F.P.: Die “Endlichen Automaten” benutzen Laptops als Musikinstrumente – ist das eine Invasion der Technik in die Künste oder eine Invasion der Künste in die Technik?
M.B.: Rechenmaschinen/Programme sind immer nur so gut, wie sie programmiert wurden bzw. vom Benutzer genutzt werden können. Die Antwort auf Ihre Frage mögen andere geben. Ich denke eine andere Frage brennt oder wird den Zuhörern eher auf den Nägeln brennen, ob für dieses Projekt nicht auch ein oder zwei Laptops ausgereicht hätten. Letztendlich ist die Zusammensetzung dieses Orchesters eine Zustandsbeschreibung und ein Spiegel der Wirklichkeit und somit ein konzeptionelles Kunstprojekt.

F.P.: Herr Brandt haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch.

Fotos: Hagen Wiel

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