18.04.09 | 22:46 Uhr | Laptoporchester

Sophie Werner im Gespräch mit yvat

 

sw: yvat, als Sie das erste Mal von diesem ungewöhnlichen Projekt gehört haben, was kam Ihnen spontan in den Kopf?

 

yvat: Es war nicht so eine Neuigkeit für mich, da ich Marek Brandt bereits in Temeswar bei einem Festival gesehen hatte, wo wir beide aufgetreten sind. Ich finde das Projekt auf jeden Fall sehr spannend. Besonders das Konzept, diese Kompositionen auf die Reise zu schicken, war für mich interessant – zum Einen gibt es hier eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass es eine gewisse Einheitlichkeit bei dem Publikum verschiedener Länder gibt, zum Anderen bietet dieses Konzept die Gelegenheit zu erforschen, wo auch Unterschiede in den Zuschauern zu finden sind. Die meisten meiner Konzerte haben außerhalb Rumäniens statt gefunden und auch meine Alben wurden von elektronischen Musik-Labels weltweit herausgegeben. Nach all diesen Jahren und nach 24 Alben muss ich sagen, dass das Publikum in all den unterschiedlichen Ländern viel homogener und ähnlicher ist, als ich es je gedacht hätte. Während mir die Unterschiede in der Mentalität und in den Interessen in verschiedenen Regionen aufgefallen sind, habe ich doch festgestellt, dass experimentelle elektronische Musik und ihr Publikum überall sehr spezialisiert und fachkundig sind.

 

 

sw: Wie beeinflusst die Idee, dass es sich hier um ein internationales Projekt mit Komponisten aus verschiedenen Ländern handelt, Ihre Arbeit?

 

yvat: Ich glaube wirklich, dass der größte Gewinn solcher Zusammenarbeit der Austausch von Ideen ist. Auf mich haben normalerweise die Menschen einen größeren Einfluss als die Orte, an denen ich auftrete. Dies ist keineswegs die erste Zusammenarbeit dieser Art. Es gab schon viele ausländische Künstler, mit denen ich gemeinsam gearbeitet habe, ohne sie je von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen. Dennoch haben wir sehr gut miteinander gearbeitet. Ein solches Beispiel ist Justin Wiggan aus Großbritannien, mit ihm habe ich vier Alben bei dem britischen Label Experimental Seafood Records herausgegeben und beim Sónar Festival [Barcelona] haben wir das Label repräsentiert. Ein anderes Beispiel wäre die deutsche Fotografin Sonja Bürger, mit der ich für verschiedenartige Installationen zusammengearbeitet habe. Es gibt auch Gemeinschaftsprojekte mit Sound-Installationen, die ich zusammen mit belgischen und französischen Künstlern durchgeführt habe. Auch mit meinen Labels aus Großbritannien, Deutschland, Belgien und Israel habe ich immer aus der Distanz, ohne einander öfter zu treffen, sehr gut zusammengearbeitet. Dies ist also nicht das erste europäische Projekt dieser Art, an dem ich teilnehme – derartige „Fusion“-Projekte werden in den letzten Jahren in vielen unterschiedlichen Formen entwickelt.

 

 

sw: Hat die Tatsache, dass Ihre Komposition erst in Bulgarien uraufgeführt wird Ihren Stil für dieses Werk verändert? Haben Sie vor oder beim Komponieren an das bulgarische Publikum gedacht?

 

yvat: Als ich dieses Stück komponiert habe, hatte ich eines meiner Konzerte im Kopf, das vor einem Jahr in Bulgarien statt gefunden hat. Was das Publikum angeht, war es eine wunderbare Erfahrung. Ich habe an den Menschen dort eine sehr starke Resonanz gegenüber meiner Musik bemerkt. Das dortige Publikum ist sehr gut informiert und sehr an experimenteller elektronischer Musik mit Einflüssen von IDM [Intelligent Dance Music] interessiert. Für den Künstler ist es immer wichtig vor einem großen, warmherzigen und gut informierten Publikum zu spielen. Meine Komposition hängt mit meinen Erfahrungen in Bulgarien zusammen und mit dem Gefühl, dass mir einheimische Bergstraßen vermittelt haben.

 

 

sw: Was für aktuelle Trends sehen Sie in der zeitgenössischen rumänischen Musikszene? Und was sind die Ursprünge dieser Trends, woher kommen Sie?

 

yvat: Ich muss gestehen, dass ich mit dem rumänischen Markt und den Tendenzen in der elektronischen Musik in Rumänien nicht so gut verbunden bin. Das rührt daher, dass ich ein Sound Designer bin, der als Produzent für eine ausländische Sampling-Firma arbeitet, meine Labels kommen aus dem Ausland und die meisten meiner Konzerte finden auch dort und nicht in Rumänien statt.

 

 

sw: yvat, Sie leben in der Hauptstadt Rumäniens, in Bukarest. Was sind Ihre Erwartungen, wenn Sie nach Hermannstadt / Sibiu fahren?

 

yvat: Mehr als die Hälfte der Zeit bin ich nicht in Bukarest. So, wie viele der heutigen Künstler kann ich von einem Nomadenleben sprechen. Was Sibiu angeht, ist es nicht das erste Mal, dass ich dorthin als Künstler eingeladen werde. Ich erwarte von den Menschen das gleiche Interesse und die gleiche Neugier auf kulturelle Veranstaltungen, wie es das Publikum von Sibiu schon immer gezeigt hat. Die Stadt hat sich zu einem kulturellen Pol entwickelt, so dass sie eine gute Plattform für derartige Projekte bietet. Und ich erwarte mir einen Hauch von nicht verschmutzter Luft …

 

 

sw: yvat, ich danke Ihnen für dieses Gespräch. Wir freuen uns auf Ihren Aufenthalt in Hermannstadt / Sibiu!

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