18.03.10 | 18:02 Uhr | Unter Menschen

Panik

Terézia Mora ist gerade erst mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird Jahr für Jahr an Schriftsteller verliehen, die auf Deutsch schreiben, obwohl Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Terézia Mora zum Beispiel ist in Ungarn aufgewachsen, in einem kleinen Dorf in der Nähe der österreichischen Grenze, aber 1990 ist sie als junge Frau nach Deutschland ausgewandert. Und hier hat sie auch angefangen zu schreiben.

Auf der Messe hat sie jetzt am Stand von ARTE ihren jüngsten Roman vorgestellt. “Der einzige Mann auf dem Kontinent” erzählt die Geschichte eines IT-Technikers, der den Anforderungen seines beruflichen Alltags nicht mehr gewachsen ist. Ständig verspätet er sich, er verpasst wichtig Termine, verstrickt sich in private Probleme und produziert Missverständnisse.

Terézia Mora, Jahrgang 1971, scheint  dagegen selbst ziemlich gut organisiert zu sein. Ihr Tagesablauf, erklärte sie Moderatorin Lerke von Saalfeld, sei recht streng organisiert. Morgens arbeite sie an ihrem aktuellen Roman, nachmittags erledige sie Anrufe: “Und wehe, jemand ruft vor 15 Uhr bei mir an.”

Allzu sehr muss man sie um ihr aufgeräumtes Leben allerdings nicht beneiden. Terézia Mora schilderte nämlich auch die Schattenseiten ihres Berufs. Obwohl sie sich selbst so gut organisiert, braucht sie für jeden Roman – und sie hat zwei Stück geschrieben, dazu auch noch einen Erzählband  – vier Jahre. Und die ersten drei Jahre sind offenbar die Hölle.

Sie recherchiere, mache sich Notizen, schreibe. Und wenn sie dann endlich an den Punkt gekommen sei, an dem sie sagen könne, dass sie “ihre Sprache” gefunden habe, erzählte Terézia Mora, dann habe sie bereits zwei- bis dreitausend Seiten gefüllt. Mit dem Roman habe sie dann aber noch lange nicht angefangen. Die eigentliche Arbeit, für die sie dann ein weiteres Jahr benötige, liege erst noch vor ihr, und all die Seiten, die sie probeweise geschrieben habe, würden im Papierkorb landen.

Das Ganze ist also ziemlich anstrengend. Oder besser gesagt: regelrecht furchteinflößend. Wenn sie am Schreibtisch sitze, sagte Terézia Mora, habe sie nämlich die meiste Zeit über panische Angst davor, dass sie das nächste Buch nicht hinbekommen werde.

Darum hat sie auch noch einen zweiten Beruf. Terézia Mora übesetzt nämlich auch. Abends, wenn alle Telefonanrufe erledigt sind. “Das entspannt mich”, erklärte sie. “Übersetzen, das ist Schreiben minus Angst.”

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