Mit der Kamera über die Grenze
Die meisten Leute halten das Schreiben von Büchern für eine große Sache – und die meisten Schriftsteller befeuern diesen Gedanken auch noch, indem sie anhaltend von den persönlichen Qualen berichten, die sie beim Verfassen ihrer Romane durchlebt haben.
Filmemacher sind da viel entspannter. Zumindest hört es sich so an, wenn sie über ihre Arbeit sprechen. Sie “schreiben” ihre Drehbücher nämlich nicht, sie “entwickeln” sie. Das klingt irgendwie klar und einfach, ich denke da an Handwerk und Technik und Ingenieurwissenschaft, und selbst wenn das in Wirklichkeit ganz anders (und sehr viel anstrenger) aussehen sollte, war ich doch ganz froh, dass ich heute Nachmittag für eine Stunde in die Welt des Films hineinschauen durfte.
Die Robert Bosch Stiftung vergibt seit 2005 einen Filmförderpreis, der vor allem ein Ziel hat: Er soll zu grenzüberschreitenden Kooperationen anregen. Bewerben dürfen sich darum nur gemischte Team aus deutschen und osteuropäischen Nachwuchs-Filmemachern – und am ARTE-Stand wurden jetzt zwei dieser geförderten Produktionen vorgestellt. Einmal “Sunstroke”, ein Kurzspielfilm der ungarischen Regisseurin Lili Horváth, und dann “Kein Ort”, ein Dokumentarfilm, den die deutsche Filmemacherin Kerstin Nickig gedreht hat.
“Kein Ort” ist eine Grenzüberschreitung in jeder Hinsicht: Das Produktionsteam besteht aus zwei Deutschen und zwei Polen, gedreht wurde in Polen, Österreich und in der Ukraine – und es geht um Menschen aus Tschetschenien, die in diese Länder ausgewandert sind: Zwei Jahre lang hat Kerstin Nickig den Alltag von vier Flüchtlings-Familien begleitet.
Am liebsten hätten man sich den Film dann auch gleich angeguckt. Doch ein bisschen warten muss man noch. Erst einmal geht er auf einige Festivals, danach in ausgewählte Kinos und irgendwann wohl auch ins Fernsehen. Einen Trailer findet man allerdings schon jetzt im Netz.







