18.03.12 | 13:00 Uhr | Leipziger Buchmesse

Radar – ein dreisprachiges Literaturmagazin schlägt Brücken

von Mirko Schwanitz

Die dreisprachige Literaturzeitschrift Radar

Die dreisprachige Literaturzeitschrift Radar

Um den Messeschwerpunkt machen sich besonders drei Literaturzeitschriften verdient. Die eine “Literatur und Kritik” mit ihrem Dossier Belarus haben wir in diesem Blog schon vorgestellt. Die andere “Ostragehege” mit ihren Übersetzungen von Gedichten aus den drei  Ländern auch. Die ungewöhnlichste unter den drei Zeitschriften aber ist mit Sicherheit die aus Krakau zu uns kommende Literaturzeitschrift “radar”. Sie bietet nicht nur einmal und nicht nur zur Buchmesse belarussische, ukrainische und polnische Texte. Es ist die Philosophie dieser Zeitschrift ständig Brücke zu sein, zwischen den Literaturen der drei Länder – und dem deutschen Sprachraum. Jede Ausgabe erscheint deshalb auch in drei Sprachen – polnisch, ukrainisch und deutsch. Viele Autoren, Autorinnen, Lyriker, Lyrikerinnen wird der Interessierte also erstmals hier wahrnehmen können. Ein ambitioniertes Projekt – man wünscht ihm einen langem Atem.

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Mirko Schwanitz

18.03.12 | 12:15 Uhr | Belarus

Marina Napruschkina und Ihr „Büro für Anti-Propaganda“

In Belarus geht Präsident Lukaschenko immer härter gegen die Opposition vor. Im vergangenen Dezember hatten Zehntausende in Minsk auf dem Oktoberplatz gegen Wahlfälschungen protestiert. Lukaschenko ließ die Proteste mit brutaler Gewalt beenden. Im Zuge der folgenden Repressionswelle wurden Hunderte von  Demonstranten und auch viele Oppositionspolitiker verhaftet, gefoltert, in Schauprozessen abgeurteilt oder ins Exil getrieben. Das Resultat: Die parteipolitische Opposition ist weitgehend ausgeschaltet. Doch jetzt werden andere soziale Kräfte Keimzellen des Widerstands, darunter auch viele Schriftsteller, Musiker oder Maler. Die Generation Internet nutzt den Flashmob als Form des stillen, doch mächtigen Protests. Regierungsgegner verbreiten über Bloggs und andere Internetforen Informationen.
Eine der Künstlerinnen, die der neuen Protestwelle Ausdruck und Kraft verleihen, ist die in Berlin lebende Belarussin Marina Naprushkina. Jutta Schwengsbier hat die Gründerin des “Büros für Anti-Propaganda” in ihrem Berliner Atelier besucht.

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Jutta Schwengsbier

18.03.12 | 12:00 Uhr | Belarus

Zivilgesellschaften in der Ukraine und Belarus

Café Europa I Halle 4 I 12-13 Uhr

Die Länder zwischen Polen und Russland werden von uns traditionell zu wenig wahrgenommen – sie machen Schlagzeilen höchstens anlässlich des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen die Opposition. Bei der Diskussion interessierte vor allem die Frage, ob sich die Ukraine und Belarus Europa annähern, oder ob sie eher zu einem Bündnis mit dem östlichen Nachbarn Russland tendieren. Aber es ging auch um die großen gesellschaftlichen Prozesse und tief greifenden Wandlungen, die diese Länder in den letzten Jahren trotz aller Rückschläge durchgemacht haben und die hierzulande meist unbemerkt bleiben. Das gilt insbesondere für die Entwicklung der Zivilgesellschaften. Welche Rolle aber spielen in all diesen Veränderungen Kunst und Kultur? Welche Aufgabe haben Künstler und Autoren in solchen Prozessen? Haben sie überhaupt eine Aufgabe? Darüber diskutierte Manfred Sapper mit Igor Stokfiszewski (PL), Kataryna Mishchenko (UA) und Marina Napruskina (BY). mehr

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Mirko Schwanitz

18.03.12 | 12:00 Uhr | Leipziger Buchmesse

Impression VII – Fetischisten

Es gibt Menschen die haben das „P“ im Blick. Wenn sie die Kataloge durchforsten, gleichen ihre Augen Scannern. Blitzschnelle Auffassungsgabe. Fast hörbar rasten ihre Blicke ein:  A-Promi, B-Promi, C-Promi, der mal B-Promi werden könnte – alle sind für ihren Terminkalender wichtig. Literatur? Nebensache. Sie begreifen sich als Collectionäre von Schriftzügen, Unterschriften, Autogrammen. Und dafür haben sie alles dabei, was beschreibbar ist: T-Shirts, Papierblöcke von A3 bis A5, Stilettos oder Stiefel, abgetragen wie neu, Brotbüchsen, dazu gleich die passenden Eddings mit nichtverbleichenden Farben – generalsstabsmäßig planen sie ihren D-Day bei E-Bay….

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Mirko Schwanitz

18.03.12 | 11:30 Uhr | Leipziger Buchmesse

“Orlionok” – Grenzgängerin Anita Back und ihre Erlebnisse in Russlands größtem Ferienlager

Forum Leipzig liest, Halle 4 12:00- 12:30

Die Auserwählten

Die Auserwählten

Zu Zeiten der verflossenen Sowjetunion gab es ein legendäres Ferienlager – kein Kind, das nicht einmal nach “Artek” wollte. Das  größte Pionierlager der UdSSR liegt bis heute auf der Krim, gehört seit dem Zerfall des Riesenreichs jedoch zur Ukraine. Seitdem pumpt Russland viel Geld in das einst zweitgrößte Pionierlager, das nahe der zukünftigen Olympia-Stadt Sotschi gelegene “Orlionok”. Drei Wochen war die Berliner Fotografin Anita Back in “Orlionok”. Entstanden ist ein wunderbar stiller Bildband über ein  Russland, das seine Kinder in die Vergangenheit schickt, um die Elite für die Zukunft auszubilden. Mirko Schwanitz sprach mit Anita Back über die Entstehung des Buches und die Geschichten hinter den Fotos.

Fot0grafin Anita Back

Fotografin Anita Back

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Mirko Schwanitz

18.03.12 | 10:40 Uhr | Leipziger Buchmesse

Meridian Czernowitz – ein Literaturfestival stellt sich vor

Forum OstSüdOst, Halle 4, 10:30-11:30

von Mirko Schwanitz

Die Autoren Igor Pomarantsev, Gründer des Festivals Meridian Czernowitz, Serhij Zhadan und Juri Andruchowytsch lesen aus Anlass des vom 6. -9. September stattfindenen Festivals. mehr

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Mirko Schwanitz

18.03.12 | 10:40 Uhr | Leipziger Buchmesse

Impression VI – Gegenläufer

In den gläsernen Venen, jenen Gängen, die die Hallen mit neuen Lesern versorgen, sind sie am häufigsten zu finden  - die Gegenläufer.  Hier, wo die unsichtbaren Gesetze einer europäischen Leit-Kultur wirken, widersetzen sich die Gegenläufer hartnäckig der europäischen Errungenschaft des Rechtsverkehrs – und beschwören die größten anzunehmenden Messeunfälle herauf: Prellungen, Platzwunden, schlimmer noch: öffentliche Zornausbrüche. Die Furcht lässt die Menge sich teilen, drängt die einen in den Gegenverkehr der anderen. Und schön ist die Leit-Kultur dahin.  Und ein  imaginärer Messeverkehrs-Funk warnt:  Achtung ! Gegenläufer zwischen Halle Vier und Fünf. Doch bevor sie sich mit ihm anlegen, unhöflich werden, Beschimpfungen austauschen. Denken Sie immer daran: Es könnte ein Brite sein!

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Mirko Schwanitz

18.03.12 | 08:00 Uhr | Leipziger Buchmesse

“Blühende Literaturlandschaften”: Georgien ringt um seine kulturelle Eigenständigkeit

Von Jutta Schwengsbier

Nach der staatlichen Unabhänbgigkeit will Georgien vermittelt über seine Literatur nun auch seinen Platz in der europäischen Kulturlandschaft zurückerobern. Die kleine Kaukasusrepublik will Schwerpunktland der Frankfurter Buchmesse werden. Jutta Schwengsbier im Gespräch mit Kulturminister Nicolos Rurua und dem Direktor des georgischen Literaturmuseums Lasha Bakradze.

 

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Jutta Schwengsbier

17.03.12 | 17:30 Uhr | Leipziger Buchmesse

Rückkehr zur ideologisierten Politik – Ukrainische Autoren und die Regierung Janukowitsch

Wir sind beunruhigt - Jury Andruchowytsch Foto: Susanne Schleyer

Wir sind beunruhigt - Jury Andruchowytsch Foto: Susanne Schleyer

Uns allen sind sie noch in lebhafter Erinnerung – die Bilder vom Maidan-Platz in  Kiev – ein Meer von Fahnen, in glücklichen Gesichtern die Hoffnungen der Orangenen Revolution.  In der Folge kam hierzulande zu einer Welle von Übersetzungen bis dahin unbekannter ukrainischer Autoren: Oksana Sabuschko, Natalya Snjadanko, Ljubko Deresch, Taras Prohasko -  um nur einige zu nennen. Inzwischen halten andere Revolutionen und Ereignisse uns in Atem: Jemen, Ägypten, Syrien. Im Schatten dieser Ereignisse aber hat längst ein Roll-Back der Errungenschaften der Orangenen Revolution begonnen.  Für die Schriftsteller und Künstler bleibt das nicht ohne Folgen.  Mirko Schwanitz sprach darüber mit Jury Andruchowytsch. Hören Sie hier seinen Beitrag:

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Mirko Schwanitz

17.03.12 | 15:55 Uhr | Belarus

“Er sieht mit den Ohren, er hört mit den Augen” – der belarussische Autor Zmicer Visniou

So schreibt die Literaturkritikerin Valentina Kudovitsch über den belarussischen Dichter Zmicer Vishniou. “Wenn so jemand Gedichte schreibt, werden die am ehesten von Fledermäusen, Ortungsgeräten und Taubstummen verstanden.” Vielleicht liegt das auch daran, dass Vishnou ein Multitalent ist. Geboren 1973 in Ungarn, lebt er schon lange in Minsk und gehört seit den 90er Jahren zu den prägendsten Autoren der belarussischen Literaturszene. Er ist Kritiker, Maler und Perfomancekünstler. Im Herbst erscheint sein Roman “Das Brennnesselhaus” auf deutsch. Der Roman besteht aus dreizehn Teilen und ist in unterschiedlichen Stilen geschrieben, seine Handlung spielt zwischen Minsk und Berlin. Vishniou verarbeitet darin seinen längeren Aufenthalt im Berliner Künstlerhaus Tacheles. “Ich hoffe, dass der Roman nicht nur für die Metro, sondern auch das normale Wohnzimmer geeignet ist”, bemerkt Vishniou mit der ihm eigenen Ironie zu seinem Buch, “aber ich glaube, dass dem Leser schwer fallen wird, über den ersten Teil hinaus zu kommen.”

Einen Vorgeschmack auf Vishnious Buch gibt eines seiner Gedichte, übersetzt von Martina Jacobson:

ROMANTISCHER KILLER

(DIE KAMERA LEUCHTET VIER SZENEN AUS)

1.

Ich bin ein Revolver!

Mädchen Nr.1 sei willkommen

Hügeliges Bergiges

im Dunkel auf mich Zurollendes

Pakete der Stille zerkrachen zu Büscheln

Wolliges Haariges

in Bächen Sprudelndes

wolkig Duftiges von Jasmin

Ufernde Schollen Pinguine

2.

Ich bin ein Revolver!

Mädchen Nr.2 du bist die Mahd

und ich pflanze Zeilen

nehme einen Mähdrescher

ernte deine Küsse

umfahre bebende Reihen

die sonnigen Ähren bürstet der schamlose Wind

in den Pfützen treiben

gewiss Beeren.

3.

Ich bin ein Revolver!

Mädchen Nr.3 fürchte dich nicht

bereite den Panzerzug vor

so schrill auch dein Schrei ist

bereite den Stall vor

du bekommst einen goldenen Tresor

duck dich Kaninchen

du fellseidiges Tierchen

in deinen Pupillen hasenherzen Worte

4.

Ich bin ein Revolver!

Treffe ich Mädchen Nr. 4

entgeht mir Mädchen Nr. 5

ich rufe rufe rufe rufe

in den alles verschlingenden Wind

in Turnschuhen wie aus Messing

Krakau, 3. September 2008

Aus: Zmicer Vishniou: Das Rascheln der Käfer. Minsk 2011.

 

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Maximilian Grosser

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