12.03.09 | 18:23 Uhr | „Instrumentelle Vernunft”

In der Pause

Die Piraten-Jagd geht weiter. Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder hatte ja bereits am Mittwoch bei der Eröffnung der Buchmesse Stimmung für härtere Gesetze gegen Raubkopierer gemacht. Bei der Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse versprach Staatsminister Bernd Neumann jetzt mit Blick auf das E-Book, dass die deutsche Regierung in Zukunft ordentlich was tun will für den Schutz von Urheberrechten im Internet. Mir fiel bei der Gelegenheit ein, dass ich bereits eine illegale Kopie der “Dialektik der Aufklärung” besitze. Das Buch stammt aus dem Regal meines Vaters. Ende der Sechziger kursierten unter den Studenten zahlreiche Raubdrucke von Horkheimer und Adorno, einfach, weil es damals keine offizielle deutsche Ausgabe gab. Ich sollte allerdings wohl besser nicht versuchen, den Text zu scannen und ins Netz zu stellen. Mit “Adorno online” kann man sich nämlich schon jetzt eine Menge juristischen Ärger einhandeln.  Es ist trotzdem ein charmanter Gedanke, auf einem Sony- oder Amazon-Kindle-Reader etwas über “instrumentelle Vernunft” zu lesen und über die “rätselhafte Bereitschaft der technologisch erzogenen Massen”, am Scheitern der Aufklärung mitzuwirken.

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