13.03.09 | 16:50 Uhr | „Keynote”

In der Pause

Vermutlich ist mein Eindruck vom entspannten Miteinander auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens einfach nur Wunschdenken. Da gibt es nämlich noch die Geschichte mit dem Schlüsselband, das die Robert Bosch Stiftung für den Buchmessen-Schwerpunkt „Südosteuropa“ aufgelegt hat. Das Band ist aus schlichtem grauen Filz, und auf der einen Seite steht „Schlüssel zur Verständigung“. Darauf können sich natürlich alle einigen. Das Problem ist die andere Seite des Bands. Dort sollte das Gleiche noch einmal stehen, und zwar nicht in Serbisch und Kroatisch und Bosniakisch, sondern möglichst in einer Formulierung, die in allen Sprachen gleich ist. Daraufhin folgte eine ziemlich lange und offenbar recht heftige Diskussion mit Autoren und Übersetzern, und am Ende wurden die Probleme dann einfach ein- beziehungsweise ausgeklammert: „Ključ za sporazum(ij)evanje“. Genau: „sporazumevanje“ ist die serbische Variante der „Verständigung“, „sporazumijevanje“ die kroatische und und bosniakische Schreibweise. 

Die Vertreter des serbischen Kulturministerums waren zuletzt trotzdem nicht hundertprozentig zufrieden: Sie hätten den Slogan lieber ganz traditionell in kyrillischen Buchstaben gelesen. Vielleicht sollte sich die Bosch Stiftung überlegen, das nächste Mal kein Schüsselband anfertigen zu lassen, sondern gleich einen Schal. Oder eine Wolldecke. Da passt einfach mehr drauf.   

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