13.03.09 | 23:12 Uhr | Im Dunkeln

Auf dem Weg

Und noch ein paar Zeilen von Xi Chuan zur Nacht: “In einem dunklen Zimmer erscheint ein Kerl, er hat sich in der Tür geirrt und macht das Beste daraus. Nimmt den Rucksack ab, wäscht sich das Gesicht, putzt sich die Zähne und befiehlt: Hau ab! Ich sage, das ist mein Zuhause, mein ein und alles, ich gehe nirgendwohin. Im Dunkeln beginnt ein Handgemenge.” (Xi Chuan, „Die Diskurse des Adlers“)

13.03.09 | 21:58 Uhr | Die Balkan-Nacht

Auf dem Weg

Der montenegrinische Dichter Joven Nikolaidis auf die Frage, was der Balkan sei: “Vielen Dank, dass Sie uns eingeladen haben, 2000 Kilometer zurückzulegen und nach Deutschland zu kommen, nur um uns dann zu sagen, dass wir alle gleich sind.”

13.03.09 | 20:32 Uhr | ::

Auf dem Weg

13.03.09 | 18:54 Uhr | Alte Bekannte

Auf dem Weg

Das Problem ist, dass man auf der Buchmesse einer ganzen Reihe von Menschen begegnet, die man zu kennen glaubt, aber an deren Namen man sich nicht gleich erinnert. Die Frage ist, wie man möglichst elegant aus der Situation wieder herauskommt. Eine eindrucksvolle Lösung durfte ich gerade am Rand eines Empfangs erleben. “Wir kennen uns doch auch”, sagte ein Mann zu einer Frau und strahlte sie an. “Ich kann mich sogar an Ihren Namen erinnern”, antwortete sie. “Ich weiß natürlich auch, wie Sie heißen”, sagte er, und dann lachten beide laut und herzlich und plauderten eine Weile recht vergnügt. Sie vermieden es allerdings, sich dabei mit ihren Namen anzureden.

13.03.09 | 16:50 Uhr | Keynote

In der Pause

Vermutlich ist mein Eindruck vom entspannten Miteinander auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens einfach nur Wunschdenken. Da gibt es nämlich noch die Geschichte mit dem Schlüsselband, das die Robert Bosch Stiftung für den Buchmessen-Schwerpunkt „Südosteuropa“ aufgelegt hat. Das Band ist aus schlichtem grauen Filz, und auf der einen Seite steht „Schlüssel zur Verständigung“. Darauf können sich natürlich alle einigen. Das Problem ist die andere Seite des Bands. Dort sollte das Gleiche noch einmal stehen, und zwar nicht in Serbisch und Kroatisch und Bosniakisch, sondern möglichst in einer Formulierung, die in allen Sprachen gleich ist. Daraufhin folgte eine ziemlich lange und offenbar recht heftige Diskussion mit Autoren und Übersetzern, und am Ende wurden die Probleme dann einfach ein- beziehungsweise ausgeklammert: „Ključ za sporazum(ij)evanje“. Genau: „sporazumevanje“ ist die serbische Variante der „Verständigung“, „sporazumijevanje“ die kroatische und und bosniakische Schreibweise. 

Die Vertreter des serbischen Kulturministerums waren zuletzt trotzdem nicht hundertprozentig zufrieden: Sie hätten den Slogan lieber ganz traditionell in kyrillischen Buchstaben gelesen. Vielleicht sollte sich die Bosch Stiftung überlegen, das nächste Mal kein Schüsselband anfertigen zu lassen, sondern gleich einen Schal. Oder eine Wolldecke. Da passt einfach mehr drauf.   

13.03.09 | 15:07 Uhr | Kampf der Synonyme

Unter Menschen

Über den Zusammenhang von Politik und Sprache auf dem Balkan ist in den vergangenen zwanzig Jahren oft gesprochen worden. Seit dem Zerfall Jugoslawiens stehen Kroatisch, Serbisch und Bosnisch in scharfer Konkurrenz zueinander, und das, obwohl sie sich eigentlich recht ähnlich sind.

Am kompliziertesten ist die Situation vermutlich in Bosnien und Herzegowina. Dort gelten alle drei Sprachen als Amtssprachen. Jede von ihnen ist allerdings eng mit einer bestimmten religiösen und ethnischen Gruppierung verbunden. Die Muslime sprechen Bosnisch beziehungsweise „Bosniakisch“, wie der politisch korrekte Ausdruck lautet, Serbisch wird von orthodoxen Christen gesprochen, Kroatisch von Katholiken.

Die Gräben zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen sind bis heute tief. Das hat auch einige ganz praktische Probleme zur Folge. Hana Stojić, eine Übersetzerin aus Sarajewo, erklärte heute morgen bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Sprachpolitik“, dass ihr mittlerweile die Synonyme ausgingen. Für das Wort „Woche“ gibt es zum Beispiel drei verschiedene Wörter, die von jedem Menschen in Bosnien und Herzegowina verstanden werden. Trotzdem kann man sie in einem Text nicht einfach gegeneinander austauschen, denn an jeder Variante hängt eine ganze Weltanschauung: ein Wort, und man legt sich fest in einem jahrhundertealten Konflikt, der in den Neunzigerjahren in einem Bürgerkrieg geendet ist. 

Das Gespräch auf dem Podium war trotzdem vollkommen entspannt. Die Übersetzer und Verleger kamen zwar aus unterschiedlichen Staaten auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens, aber mit Anfang, Mitte dreißig waren sie offenbar jung genug, um sich über die ideologischen Differenzen nicht allzu viele Gedanken machen zu müssen. Sie erzählten eher von praktischen Problemen. So ist es zum Beispiel ziemlich schwierig, ein Buch, das in Serbien erschienen ist, in Kroatien zu kaufen. Hier ist nicht die Sprache das Problem, sondern die Bürokratie: Wer sich auf das Abenteuer einer Bestellung einlässt, muss etwa vier Wochen warten, bis er beliefert wird – falls es überhaupt klappt, und das Päckchen nicht einfach im Zoll hängenbleibt. Aber auch das ist natürlich Politik.

13.03.09 | 12:36 Uhr | Landwirtschaftliche Nutzgeräte

Auf dem Weg

Auch toll, dass Menschen auf die Messe gehen, um am Stand des Motorbuch-Verlags den “Traktoren-Kalender 2009″ mitzunehmen.

13.03.09 | 11:58 Uhr | ::

Auf dem Weg

13.03.09 | 10:57 Uhr | Am Rand der Wirklichkeit

Auf dem Weg

Ein Tag auf der Messe, und schon glaubt man, das ist die Welt. Preisverleihungen und Podiumsdiskussionen, Klatsch, Gerüchte und Umsatzprognosen, zwischendurch Kekse und Kaffee aus Plastikbechern und auf den langen Fluren Gespräche mit Kollegen, die gerade erst aus Hamburg, Frankfurt und Berlin angereist sind, aber so wirken, als ob sie bereits seit Jahren zwischen den Verlagsständen und Konferenzräumen hin und her irren. Die einzige Möglichkeit, einen Blick in die so genannte Wirklichkeit zu werfen, ist die morgendliche Fahrt mit der Linie 16 vom Hotel am Hauptbahnhof zum Messegelände. Draußen, hinter den getönten Scheiben der Straßenbahn, ziehen die Fassaden der Stadt vorbei, Mietshäuser, Penny und Mäc-Geiz, das „Grillhouse Gadhir“ und das „Dental Team Leipzig“, an einem Bauzahn wirbt ein Plakat für einen Vortrag von Erich von Däniken mit dem Titel „Götterdämmerung“. Rentner in grauen Jacken ziehen die Wägelchen mit ihren Einkäufen über den Bürgersteig, dann kommen die Gewerbegebiete mit ihren Autohäusern, Reifencentern und Baumärkten, dahinter Wohnblocks aus den Achtzigern und Fertighaussiedlungen aus den Neunzigern. Zwanzig Minuten dauert die Fahrt, Endstation ist die Haltestelle Messegelände. Bis zum Eingang sind es nur ein paar Meter. 

12.03.09 | 23:58 Uhr | Nebenan

In der Pause

Es ist die zweite Nacht im Hotelzimmer. Noch ein paar Zeilen von Xi Chuan: „In dunklem Zimmer lege ich mein Ohr an die Wand, lausche, höre von Nachbarn erst nichts, plötzlich legt auch auf der anderen Seite jemand sein Ohr an die Wand. Sofort nehme ich mein Ohr zurück, bezähme mich und benehme mich anständig.“ (Xi Chuan, „Die Diskurse des Adlers“)

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